Die 6-tägige Besteigung des Kilimanjaro, des mit 5.895 m höchsten Berges Afrikas
begann mit dem Transfer zum Eingangstor des Nationalparkes dem “Machame Gate”, nach dem nördlich gelegenen Ort Machame benannt.
Unsere 8-köpfige Gruppe wurde im Tourbus durch Moshi vorbei an Bananen- und Kaffee-Plantagen von unserem Fahrer Christopher zum Ausgangspunkt gefahren. Hier war der erste Schritt die Registrierung für die Besteigung, jeder musste sich einzeln mit seiner Passnummer am Gate einschreiben.
Außerdem gab es eine Einweisung durch unsere Guides Batchi und Godfrey. Batchi hat sich noch um die Verteilung des Gepäcks auf unsere 18 Träger gekümmert, die dann erst einmal zur Waage mussten, um das Gewicht des Gepäcks zu dokumentieren. Es darf kein Porter mehr als 20 kg tragen, denn dazu kommt immerhin noch ihr eigenes Gepäck und die Wege sind lang und beschwerlich, daher wurde die Gepäckmenge zum Glück endlich durch die Parkverwaltung begrenzt. Lange Zeit haben die Träger verantwortungslos schweres Gepäck schleppen müssen, was zu einigen Unfällen führte, dem soll nun durch die Gewichtsbegrenzung entgegengewirkt werden.
Godfrey ist mittlerweile bereits mit uns losgezogen auf die erste Tagesetappe, die mit einer Länge von 18 km und ca. 1.200 Höhenmetern eine der längsten darstellte. Durch einen äußerst beeindruckenden, dichten Regenwaldabschnitt führt die erste 5- bis 6-stündige Etappe bis zum “Machame Camp” auf fast 3.000 Meter Höhe. Dadurch, dass wir gezwungen wurden sehr, sehr langsam zu gehen (auf Suaheli “pole, pole” dies wird uns wohl allen immer im Gedächtnis bleiben), da unser Guide die Führung übernommen hatte, kam mir die Etappe gleich nur halb so schlimm vor. Unser Weg führte über kleine Trampelpfade durch den herrlichen Urwald Afrikas, um uns herum Lianen und Affengeschrei.
Mittags haben wir ein leckeres Lunchpaket zur Stärkung bekommen, was wir an einem kleinen Picknickplatz gegessen haben. Nebenan wurde bereits die Tafel für das Luxus-Kilimanjaro-Trekking errichtet. Es war gleichzeitig mit uns eine 37-köpfige kanadische Truppe gestartet, die mit etwas mehr Komfort reisen wollten. Daher wurde für diese Gruppe auch mittags eine große Tafel aufgebaut und die herrlichsten Speisen bereitet. Da hat mir unser kleiner Lunch doch wesentlich besser gefallen und uns bestimmt genauso gut für den weiteren Weg gestärkt!
Als wir im Camp ankamen, hatten die Porter bereits unsere kleinen 2-Mann Zelte zum Schlafen, sowie das große Gemeinschafts- und das Küchenzelt aufgebaut und waren dabei Tee zu kochen, den es als kleine Zwischenmahlzeit zusammen mit Popcorn und Keksen im Gemeinschaftszelt gab. Dann zogen plötzlich die Wolken weiter und gaben das erste Mal an diesem Tag den Gipfel frei, da lag er dann also vor uns, noch in weiter Ferne: Der Kilimanjaro!
Nachdem wir es uns in den Zelten gemütlich gemacht hatten, haben wir das erste Mal am Berg zu Abend gegessen. Es ist wirklich unvorstellbar, was da ohne Strom und fließendes Wasser in den Bergen gezaubert werden kann: Es wurde ein 3-Gänge Menü bei Kerzenschein serviert, mitleckerer Suppe als Vorspeise, Kartoffeln und einem Gemüseeintopf als Hauptspeise und Obst zum Nachtisch. Es war so viel, dass wir gar nicht alles Essen konnten, wir mussten fast die Hälfte zurückgehen lassen, obwohl ich fleißig gegessen habe, um mich für die nächsten Tage zu stärken – unsere Guides waren ganz enttäuscht. Sie selber wollten das Essen nicht, da für sie und die Porter bereits Ugali (eine afrikanische Beilage, die zu allem, besonders zu Gemüse und Fleisch, serviert wurde) gekocht wurde. Das ist ein sehr einfaches Essen, besteht nur aus Maismehl und Wasser und wird dann mit den Fingern so geformt, dass man damit – ohne Hilfe von Messer, Gabel oder Löffel – das dazu gereichte Essen aufgenommen werden kann. Zuerst ein ungewohnter Anblick, aber ich habe gelernt, dass es ganz normal ist mit den Händen zu Essen, nicht nur in den Bergen mangels Besteck, sondern auch im Alltag. Vorher wäscht man sich die Hände in einer Schüssel mit warmem Wasser und danach ebenfalls. Und plötzlich war es dunkel, es war uns zuerst gar nicht so bewusst, aber bereits gegen 18:30 Uhr ging die Sonne unter und als wir nach dem Essen aus dem Zelt kamen, war es bereits stockfinster.
Nach dem Essen hat mir unser Guide noch ein bisschen Suaheli beigebracht. Der Großteil der Porter sprach leider kein Englisch, somit war die Verständigung nur in ihrer Sprache möglich. Und schon mit ein paar Brocken konnte man sich gut verständigen! Lala salama (= Gute Nacht)!!! Danach sind wir alle in unsere Schlafsäcke gefallen, die Zelte waren ausgelegt mit wirklich guten weichen Isomatten, es war zwar schonkalt, aber es gab noch keine Minusgrade und ich habe mir vor dem schlafen gehen meine Wasserflasche vom Koch mit heißem Wasser füllen lassen, so dass ich eine Art Wärmflasche hatte. Und ich muss sagen die erste Nacht im Zelt war so wirklich sehr angenehm und ich habe ausgezeichnet geschlafen!
